Bürgerin 6

Eisenbahnbundesamt
Steglitzer Damm 117
12169 Berlin
per email an: Kanzlei-sb1-bln@eba.bund.de

Ihre Antwort auf meine Einwendung gegen die Planung der Deutschen Bahn zum Umbau Bahnhof Fürstenberg – Planfeststellungsverfahren 51127-511ppa/068-2301#002

Sehr geehrte Damen und Herren,

Bei der Durchsicht Ihrer mehr als 30 Seiten Stellungnahme zum o.g. Verfahren fällt schnell auf, dass die Behandlung der zahlreichen Einwendungen – darunter auch meiner eigenen – entweder nur oberflächlich erfolgte, pauschal abgehandelt wurde oder sogar gänzlich fehlte. Statt einer differenzierten Prüfung und Abwägung der einzelnen Punkte haben Sie einfach immer wieder die gleichen Begründungen für eine Nichtberücksichtigung angebracht. Diese waren außerdem wenig aussagefähig, gingen inhaltlich fast nie auf vorgebrachte Argumente ein oder nahmen überhaupt keinen Bezug auf den jeweiligen Einwand.

Als Bearbeitung meiner Einwände kann ich Ihre Stellungnahme daher nicht betrachten, ich bleibe daher bei meiner Einwendung und halte alle meine darin geäußerten Bedenken weiterhin aufrecht. Unberücksichtigt sehe ich im Übrigen auch fast alle Einwendungen anderer Bürger:innen, was ich den Antworten in der Sammel-Stellungnahme entnehmen konnte. Für mich als Bürgerin stellt sich dieser Prozess daher als Schein-Beteiligung dar, bei der Sie nicht einmal den Versuch unternommen haben, einzelne Einwendungen tatsächlich zu prüfen und damit dem Sinn dieses Beteiligungsverfahrens Rechnung zu tragen. Mit dem Satz „wurde berücksichtigt“ ist es nicht getan, wenn der Satz nur bedeutet, dass Sie eine Einwendung zwar gelesen, aber ansonsten ignoriert haben.

Meine Kritik möchte ich nicht in Gänze wiederholen, man kann sie in meiner ersten Einwendung nachlesen, aber auf 2 Aspekte möchte ich dennoch hinweisen:

  1. Fassungslos macht mich, dass Sie überhaupt nicht auf die Alternative des VBB eingegangen sind, die von mir und anderen Bürger:innen genannt wurde und von der Allgemeinheit in Fürstenberg stark bevorzugt wird. Die Alternative des VBB ist bürgerfreundlicher, gut geplant und hervorragend für eine Umsetzung geeignet. Sie haben mit keinem einzigen Argument Bezug darauf genommen, warum diese Variante nicht möglich sein soll.

  2. In meiner ursprünglichen Einwendung schrieb ich: „(…) laut Richtlinie der Bahn 813, „Personenbahnhöfe planen“ sind: „…Maßnahmen (…) so zu planen, dass die Anlagen in das verkehrliche Gesamtkonzept eingebunden sind (verkehrsgünstige Lage und gute Verknüpfung mit anderen Verkehrswegen und -systemen bei kurzen bequemen Fußwegen).“Sowie: „Die Länge der hindernisfreien Wege muss der kürzesten praktisch umsetzbaren Entfernung entsprechen.“ – In Ihrer Stellungnahme schreiben Sie nur, dass das eine interne Vorgabe sei und keine gesetzliche Verpflichtung. Was für ein schwaches Argument! Sachlich ist es jedenfalls nicht, dass Sie eine eigene Vorgabe nicht umsetzen wollen, und sinnvolle Aspekte wie kurze, bequeme Fußwege die so kurz wie möglich sind, im Fall Fürstenberg ignorieren.

  3. Den Denkmalschutz zitieren Sie, wo es Ihnen passt und ignorieren ihn, wo er Sie stört. Beim Bahnhofsdach soll er eine alternative Gleisnutzung verhindern, aber den ebenfalls denkmalgeschützten Pavillon wollen Sie komplett abreißen. Dass das Denkmal Bahnhof Fürstenberg als Gesamtgebilde geschützt wurde, das eine Funktion für die Stadt hat, blenden Sie ebenfalls aus, dabei machen Sie mit dem vorgeschlagenen Umbau den denkmalgeschützten Bahnhofsbereich quasi zu einer Attrappe, die mit dem bisherigen optischen Eindruck für ankommende und abfahrende Reisende nicht mehr viel zu tun hat. Die neu geplanten Gitterzäune (vermutlich aus grauem Stahl wie bei all den anderen gleich aussehenden Bahnhöfen der DB) zur Verhinderung von Gleisquerungen dürften auch eine ästhetische Grausamkeit im Gesamtbild unseres wunderschönen, denkmalgeschützten Bahnhofes sein. Künftig werden dann wohl keine Dreharbeiten für historische Filme mehr bei uns stattfinden können.

Abschließend möchte ich meinen Schlußsatz aus meiner ersten Einwendung wiederholen, da er immer noch gilt: „Mein Eindruck ist insgesamt, dass die Deutsche Bahn einen 0815 Plan für den Bahnhofsumbau vorgelegt hat, der einfach genauso aussieht, wie andere derartige Umbauten der DB in Deutschland – ein gesichtsloses Schema F mit maximal viel Beton, nutzerunfreundlich, hässlich und ohne jegliche Berücksichtigung lokaler Besonderheiten, der berechtigten Interessen von Einwohner:innen, von Zukunftsperspektiven oder von Nachhaltigkeitsaspekten und mit vollständiger Ignoranz jeglicher bisheriger Einwendungen im Beteiligungsverfahren.“

Ich bitte daher erneut, die Einwendung tatsächlich auch sachlich zu prüfen und dabei insbesondere die Machbarkeit des VBB-Vorschlags ernsthaft zu untersuchen und wenn sie nicht möglich sein sollte, mit einer guten Begründung darzulegen, warum Sie das so bewerten. Bisher ist mein Eindruck, dass diese Beteiligung nur ein Feigenblatt ist und von Anfang an keine Berücksichtigung egal welcher Einwendungen beabsichtigt war. Das wäre nicht nur eine Verschwendung von Zeit und Ressourcen (unserer und Ihrer), sondern widerspricht auch demokratischen Prinzipien.